Händel SERSE | Oldenburgisches Staatstheater (2015)

Oper in drei Akten
Premiere: 10. Oktober 2015

Regie: 
Jakob Peters-Messer
Bühne und Kostüme: Markus Meyer
Dramaturgie: Annabelle Köhler

 

ZUM STÜCK

Xerxes hat gerade seine Geliebte Amastre verstoßen. Damit fängt das eigentliche Problem an, denn der legendäre Perserkönig ist fortan mehr mit Liebeshändeln als mit echten Kriegen beschäftigt, da er sich fatalerweise ausgerechnet in Romilda verliebt, die eigentlich glücklich mit seinem Bruder Arsamene liiert ist. Xerxes nutzt kurzerhand die erstbeste Gelegenheit, um seinen Bruder zu verbannen und somit freie Bahn zu haben. Seine Pläne wiederum kommen Romildas Schwester Atalanta gerade recht, denn sie hat ebenfalls ein Auge auf Arsamene geworfen. Ohne Rücksicht auf familiäre Verbindungen intrigiert man, schmiedet Rachepläne und treibt einander bis an den Rand des Selbstmordes – bis am Ende Xerxes’ verstoßene Geliebte zurückkehrt und sich die richtigen Paare wiederfinden: Xerxes und Amastre versöhnen sich und Arsamene findet wieder zu seiner geliebten Romilda. Einzig deren intrigante Schwester geht leer aus.
Angesichts der ebenso turbulenten wie amüsanten Handlung der Oper, die die Emotionen nicht nur musikalisch bis in ihre Extreme treibt, ist es heute kaum vorstellbar, dass die Oper bei ihrer Uraufführung im Jahre 1738 am King’s Theatre Haymarket in London zu einem Misserfolg wurde. Händel pflegt in ihr eine für seine Zeit vergleichsweise moderne Musiksprache: Er treibt die Handlung voran, indem er weitgehend auf lange Da-capo-Arien verzichtet, stattdessen kurze Liedformen wählt und Rezitativ und Arie häufig ungewöhnlich eng verzahnt. Zwar erinnert die drastische Komik des Sujets noch an wesentlich ältere Bühnenwerke, doch weist die Vermischung von Buffa- und Seria
tönen bereits auf Mozarts Opera buffa voraus. ‚Xerxes‘ lebt von einer äußerst intensiven und dadurch packenden Affektsprache und wurde inzwischen zu einem der beliebtesten Bühnenwerke Händels.

 

BILDERGALERIE

PRESSESTIMMEN

„Aber auch die übrigen Solisten sind hörbar vertraut gemacht worden mit den Tücken der barocken Gesangsschule. Verantwortlich dafür zeichnet Jörg Halubek, der als musikalischer Leiter die Sänger und das kleine, während der Aufführung halb hochgefahrene Orchester offenbar intensiv auf Barock getrimmt hat. Ungemein lebendig läuft das alles ab; man hört von den Instrumentalisten viel von dem, was man als die typische „Klangrede“ des Barock bezeichnet – also kein starres, sondern ein in sich gegliedertes Musizieren, das den Fluss der Handlung unterstreicht.“ (Weser-Kurier, Gerhart Asche, 12.10.2015)

„Akustisch war bei diesem Oldenburger „Serse“ alles sehr erfreulich: Die sieben Sänger passten stimmlich gut zueinander, zeigten sich den technischen und stilistischen Herausforderungen von Händels Musik völlig gewachsen und wussten mit dem Text ebenso souverän umzugehen wie mit Verzierungen und Kadenzen. Auch das Oldenburgische Staatsorchester hinterließ einen überzeugenden Eindruck. Zwar schossen die Geigen in ihrem Bemühen, möglichst schlank zu phrasieren und kontrastreich zu artikulieren, manchmal ein wenig über ihr Ziel hinaus, doch die Richtung, in die Jörg Halubek – als musikalischer Leiter ein großer Gewinn – das Ensemble lenkte, stimmte auf jeden Fall, und von dem, was man in der exzellenten Continuogruppe hörte, hätte man vor zehn, fünfzehn Jahre bei einem konventionellen Mehrspartenorchester nur träumen können.“ (NWZ, 17.10.2015, Dr. Matthias Hengelbrock)

„Jörg Halubek ist ein in barocken Affekten höchst erfahrener und inspirierender Dirigent, und das Staatsorchester ein in barocker Spielweise inzwischen ebenso versiertes Ensemble. Für die 23 Musiker wird zur Sinfonia vor dem zweiten Akt zur besonderen Wertschätzung der Boden aus dem Graben hochgefahren. Sie entfachen ein theatralisches Feuer, das Schlichtheit mit Raffinesse verbindet. Und Lamentos lassen die Streicher wundervoll tropfen. Diese Musik stammt von 1738, aber sie ist unerhört lebendig.“ (NWZ, Horst Hollmann, 12.10.2015)

„Auch musikalisch passte alles gut zusammen. Dirigent Jörg Halubek hat große Erfahrung mit Barockmusik. Das war dem Spiel des halb aus dem Graben hochgefahrenen Oldenburgischen Staatsorchesters deutlich anzuhören, das teilweise auf historischen Instrumenten – bis hin zu zwei Lauten – spielte. So ist eine anregende, kurzweilige Wiedergabe gelungen, die mit flexiblem Klang dem Werk sehr gerecht wurde.“ (Opernfreund.de, Wolfgang Denker, 11.10.2015)