Passacaglia | Werke für Cembalo

Das Wort „Passacaglia“ leitet sich vom spanischen Ausdruck „pasar una calle“ (durch die Straße gehen) ab. Johann Gottfried Walther, ein Cousin Johann Sebastian Bachs, verweist in seinem Musicalischen Lexikon von 1732 auf die Anfänge der französischen Oper: Die Passacaglia werde dort „als Passe ruë – ein Gassenhauer, ein Gassen-Lied“ – verwendet und sei „eigentlich eine Chaconne“, also „ein Tantz, und eine Instrumentalpiéce, deren Bass-Subjectum oder thema gemeiniglich aus vier Tacten in 3/4 bestehet, und, so lange als die darüber gesetzte Variationes oder Couplets währen, immer obligat, d.i. unverändert bleibet. Der gantze Unterschied bestehet darinn, daß die Melodie matthertziger (zärtlicher), und die Expression nicht so lebhafft ist; und deswegen werden die Passecaillen fast allezeit in den Modis minoribus [Molltonarten] gesetzt“.

Bei der Passacaglia handelt es sich also um eine Variationsform mit einem gleichbleibenden Bass. Ein im 17. Jahrhundert häufig verwendetes Bassmodell besteht aus einer diatonisch oder chromatisch absteigenden Quart-Tonfolge und wird als Lamento-Bass bezeichnet. Der Lamento-Bass hat seinen Ort sowohl in Klageliedern verschiedener Opern als auch in geistlichen Kompositionen trauriger oder schmerzhafter Affekte, wie z. B. in J. S. Bachs Crucifixus der h-moll-Messe. Der strengen Variations-Form der Passacaglia wird die freie und fantastische Form der Toccata gegenüber gestellt. Toccaten „wollen gemeiniglich ohne genaue Observierung des Tactes tractiret seyn“ (Mattheson, 1713) – virtuose Passagen, Arpeggiorauschen und kontrastreiche Affekte sind hier die Wesensmerkmale. Ihr Pendant findet die Italienische Toccata im französischen Prélude non mesuré. Die besondere Notation ohne Notenwerte und Taktstriche bietet dem Interpreten größte rhythmische Freiheit.

Jörg Halubek | Cembalo
DDD, 2007

AUDIOMATERIAL

PRESSESTIMMEN

„Seine musikalischen Figuren und Auszierungen „sitzen“ perfekt, seine Bögen stiften Sinn, seine Agogik reißt mit, seine Artikulation spricht eine präzise und prägnante Sprache. Kurzum: Halubek bringt diese faszinierende Musik zum Leben, und er bringt die wundervollen Instrumente zum Klingen!“ (Rondo-Magazin, 09.05.2008, zur Rezension von Michael Wersin)